Schlagermove
'Im Biene Maja-Kostüm haut man sich nicht auf die Schnauze!'
30.05.2012 15:43
Hamburg. Es ist ein bisschen wie Woodstock und vielleicht auch wie der Karneval des Nordens. Doch in erster Linie ist es der Geist des "Schlagermoves" selbst, der seit 16 Jahren etwa eine halbe Million Schlager-Fans an die Elbe lockt. Der nächste wird übrigens am 7. Juli gefeiert! SCHLAGR.DE traf den Macher der Parade, Frank Klingner und sprachen über das Geheimnis des "Schlagermove-Spirits".
Als 1997 mit 50.000 feiernden Menschen der "Schlagermove" das erste Mal durch Hamburg-St. Pauli kurvte, ahnte noch niemand, dass daraus mal ein Mega-Event wird. "Der Schlagermove ist damals als "Bad Taste Club" in Hamburg gestartet, nach dem Vorbild der Berliner "Love Parade". Und in den 90ern gehörte der Kult-Schlager nun mal noch zum 'schlechten Geschmack'", stellt Frank Klingner fest. Heute ist der Move eine der größten Paraden in Deutschland und zählt bei gutem Wetter inzwischen 500.000 Besucher. Dabei kommen die Schlager-Touristen zur Hälfte aus Hamburg und Umgebung. Die andere Hälfte der Besucher reist aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus Österreich, der Schweiz, Holland und Dänemark an.
Was ist nun der "Schlagermove-Spirit"?
Die Gründe für den zunehmenden Erfolg des "Schlagermoves", kann sich der Gründer nur durch den "Schlagermove-Spirit" erklären. "An dem Tag werden Gesetzmäßigkeiten einfach außer Kraft gesetzt." Egal ob Mann oder Frau, alt oder jung, Hartz 4-Empfänger oder reich, schwul, lesbisch oder hetero. An dem Tag ist das nicht wichtig. Es ist ein sogenanntes "Festival der Liebe" und seit 16 Jahren gehen die Menschen auch so miteinander um. Dabei greift Klingner die Worte eines Besuchers auf, der mal gesagt hat: "Mit einem Biene Maja-Kostüm haut man sich nicht auf die Schnauze". Vielleicht erklärt das ja am besten den "Schlagermove-Spirit".
"Mehr Müll, mehr GEMA"
Der kommerzielle Gedanke spielte dabei stets eine eher untergeordnete Rolle. Auch heute werde der Schlagermove so kulturell wie möglich durchgeführt und gefeiert. Doch Klingner räumt ein: "Natürlich ist der kommerzielle Druck höher geworden. Denn mehr Menschen verursachen mehr Müll und mehr GEMA-Gebühren. Das muss abgedeckt werden."
Bata Illic trifft Kristof Hering
An Schlager-Prominenz mangelt es auch in diesem Jahr nicht: Cindy & Bert, Bata Illic, Willi Herren, der Hamburger Kristof Hering und viele weitere haben bereits zugesagt. Dabei werden die Künstler wie in den vergangenen Jahren sowohl auf der Bühne auf dem großen Heiligengeistfeld auftreten, als auch auf den Trucks mitfahren. Doch auch Newcomer erhalten eine Plattform: Am Freitag, dem Eröffnungstag, wird es einen "Talentschuppen" geben, in dem sich Sternchen wie Christin Stark und Tom Coxx vor einem großen Publikum beweisen können.
Es fährt ein Zug ins Ruhrgebiet ?
Hamburg bleibt das Zentrum des Kult-Schlagers: "Der Schlagermove Hamburg ist bis 2014 gesichert und dann sehen wir weiter. Wir können uns aber in der Tat auch einen Move zum Beispiel im Ruhrgebiet vorstellen." Es gäbe nur ein Problem: Die Städte sind klamm und somit fehlt es an Institutionen, die den Spaß mitfinanzieren. "Wir sind dran und vielleicht wird das ja was in den nächsten Jahren", heißt es. Fakt ist: Bei einem weiteren "Schlagermove" will man das Musikkonzept lockern und auch Party- und Pop-Schlager zulassen. In Hamburg sei allerdings weiterhin der Kult-Schlager der 70er Trumpf. Das erwarte man hier. "So wie wir geboren sind, werden wir auch sterben. Wenn wir sterben", so Klingner ganz selbstbewusst.
Und sonst?
Unsere Frage nach dem skurrilsten Ereignis im Rahmen des Schlagermoves, hatte sich eigentlich erübrigt. Schließlich ist für viele die Parade an sich schon ein verrücktes Fest. Doch an eine Geschichte erinnert sich der Schlagermove-Macher gerne zurück: "Einmal war Tony Marshall gebucht und fuhr mit an der Zugspitze in einem Reisebus vom NDR." Doch dann geschah etwas, womit niemand rechnete: Der 74-jährige stieg aus dem Bus und lief die komplette Wegstrecke als "Zugführer" vorne weg. "Wir mussten die Securities umdisponieren, die Boxen umstellen und ihn vor allem immer in Bewegung halten." Der weitere Ablauf hing quasi von dem Sänger ab, der sein Bad in der Menge natürlich genoss. Ob Bata Illic dieses Jahr ähnliches vor hat? "Wir hoffen es nicht!", so Klingner.
Am 7. Juli heißt es wieder: "Hossa", der Schlagermove ruft! Alle Infos und weitere Termine erhaltet ihr auch auf der Homepage vom "Schlagermove".
(tk)







