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23. Dezember 2013

Andy Borg im Interview: „Man darf ja auch mal Fehler zugeben!“

Andy Borg im Interview: „Man darf ja auch mal Fehler zugeben!“
ORF/ORF/Franz Neumeier

Am 31. Dezember (ARD/ORF, 20:15 Uhr) wird euch Andy Borg einmal mehr mit seinem „Silvesterstadl“ ins neue Jahr begleiten. Bevor die Sektkorken knallen, bat SCHLAGR.DE den Moderator, der eigentlich viel lieber als Sänger wahrgenommen werden möchte, zum Exklusiv-Interview. Offen und ehrlich sprach der bestens aufgelegte Entertainer über den Silvesterabend und über das zurückliegende Jahr mit all seinen schönen und weniger angenehmen Momenten.

Andy, ich habe gehört, dass du ein Morgenmuffel sein sollst. Welche Frage dürfte ich dir jetzt nicht stellen, da es ja noch recht früh ist?
(lacht) Wenn ich weiß, dass man mich vormittags schon nervt, dann stehe ich extra früher auf, damit ich diese schwierige Zeit schon hinter mir habe. Was heißt „hinter mir“? Damit ihr nicht die Leidtragenden seid…

Demnach bist du heute bestens vorbereitet und ich brauche kein Blatt vor den Mund nehmen?
Ja, so ist es!

Wäre es dennoch ein Fehler von mir, wenn ich dich als Moderator bezeichnen würde? Eigentlich liegt dir doch eher das Singen am Herzen…
Das stimmt schon. Aber die meisten, die mich als Moderator bezeichnen, meinen es ja positiv. Das setzt immerhin das Wissen der Leute voraus, dass ich schonmal im Musikantenstadl herumgehüpft bin.

Du bist als immer bestens aufgelegter Entertainer bekannt. Wie schwer oder wie leicht fällt das, wenn man am Silvesterabend vier Stunden moderieren muss, während andere im privaten Kreis feiern können?
Je öfter man mir diese Frage stellt, desto öfter denke ich darüber nach. Nein, Silvester war für mich und meine Frau nie etwas sehr Privates oder Intimes. Es war schon immer mit Party und mit Auftritten verbunden. Früher als ich „nur“ als Schlagersänger unterwegs war, verbrachten wir den Silversterabend bei irgendeiner Veranstaltung im deutschsprachigen Raum. Mitten in der Nacht sind wir dann durch den Lieferantenausgang der Halle rausgegangen, haben uns kurz in den Arm genommen und uns alles Gute fürs neue Jahr gewünscht. Seitdem ich den Stadl moderieren darf, ist die ganze Familie dabei. Das heißt: Es ist für mich persönlich sogar angenehmer geworden, weil wir gemeinsam den Abend verbringen können.

Seit knapp 25 Jahren wird der Silvesterstadl nun schon ausgetragen, du bist auch seit einigen Jahren dabei. Solltest du eines Tages mal nicht mehr Stadl-Moderator sein, wie würde dann dein Silvesterabend aussehen?
Das ist eine gute Frage, aber wahrscheinlich würden wir einfach bei uns in Passau zu Hause bleiben. Ich würde auf die Stadt hinunterschauen und denken: „Das ist mal etwas anderes!“ Ich kann es mir aber gar nicht richtig vorstellen, weil ich schon seit so vielen Jahren unterwegs bin. Den letzten Silvesterabend in „Freiheit“ habe ich in Wuppertal verbracht. Mein Auftritt war erst für 1:00 Uhr vorgesehen, ich musste aber schon um 17:00 Uhr proben. Ich schwöre, dass diese Geschichte stimmt: Ich und meine Frau haben uns in der Zwischenzeit im Hotel den Silvesterstadl mit Karl Moik angeschaut – ohne zu wissen, dass ich diese Show ein Jahr später selber moderieren sollte.

Und heute bist du mit der Show so verankert, dass dein Handy-Klingelton vermutlich das „Stadlzeit“-Lied sein wird…
(lacht) Nein, so weit geht es dann doch nicht. Wir haben uns übrigens angewöhnt, dass wir privat gar keine Musik hören. Aber wo du das gerade erwähnst: Wir haben eine Lieblingsfernsehserie namens „Two and a half men“ – und diese Titelmeldodie ist unser Klingelton.

In der Nacht vom 31.12. auf den 01.01. ist für dich dennoch wieder Stadl-Zeit angesagt – u.a. mit Tony Marshall, Linda Hesse, Ross Antony und Marc Pircher. Ist es eigentlich schwierig, Gäste für solch einen Tag zu gewinnen?
Es ist defintiv schwieriger, weil die einen bei ihrer Familie feiern wollen und die anderen, ich sage mal die erste Liga, über Jahre hinweg ausgebucht sind. Wir haben jetzt schon einige Künstler für das nächste Jahr angefragt. Ich kann verstehen, dass es für die Musiker interessanter ist, einen kompletten Abend lang mit der eigenen Band zu spielen als einen Titel im Stadl zu singen.

Geht ihr mit einem anderen Ansatz an diese spezielle Sendung heran, wenn eben nicht Helene Fischer oder Andrea Berg auf der Gästeliste stehen?
Naja, es muss ja auch immer passen. Aus meiner Sicht ist der Musikantenstadl ein gemütliches Zusammensein und da würde zurzeit eine Helene Fischer, eine Andrea Berg oder ein Andreas Gabalier herausstechen und automatisch der Stargast sein. Ich denke, dass das nicht im Sinne dieses Silvesterabends ist. Es ist eine Gradwanderung: Wir machen die Sendung für Leute, die den Stadl „benutzen“, um Party machen zu können und für Menschen, die vielleicht ihren Partner verloren haben und den Silvesterabend alleine Zuhause verbringen.

Apropos Helene Fischer und Andrea Berg: Es war zuletzt auffällig, dass die beiden in sehr vielen Musikshows – oft auch in derselben Sendung – aufgetreten sind. Hast du das auch beobachten können und läuft man nicht Gefahr, dass sich die Menschen daran satt sehen?
Als ich jung war, traten wir in so ziemlich jeder Fernsehsendung mit demselben Lied auf. Das ist heute ja gar nicht mehr so, weil Singles in bestimmten Shows exklusiv vorgestellt werden sollen und es zum Beispiel Sperrfristen gibt. Ich empfinde das also nicht so. Ich bin selbst ein „Schlagerfuzzi“ und je öfter ich die Leute sehe, desto lieber sind sie mir. Helene Fischer darf nur in allen TV-Sendungen auftreten, weil sie beliebt ist. Und das kann einer Sendung nur gut tun.

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Im Moment wird man im Fernsehen mit Spendengalas und Jahresrückblicken überhäuft. Warum sieht man dich in diesen Shows so selten sitzen?
Ich saß bei Carmen Nebel am Spendentelefon, aber alles, was man übertreibt, wird inflationär. Das ist ähnlich wie mit den Kochsendungen. Es ist ja auch wichtig zu spenden, aber wenn beinahe jeden Abend in der Vorweihnachtszeit eine solche Sendung läuft, dann haben die Menschen schnell genug davon.

Bist du ein Mensch, der am Ende eines Jahres Bilanz zieht?
Das ergibt sich in Gesprächen, zum Beispiel wenn man eine lange Strecke zu einem Auftritt zurücklegen muss. Kürzlich hatte ich meinen ersten Auftritt in Polen und auf dem Weg dahin ist meiner Frau und ich aufgefallen, dass das Jahr tatsächlich schon wieder fast vorbei ist. Dann erinnert man sich an die Momente, die einem in Erinnerung geblieben sind.

Ein großes Thema 2013 war die Diskussion über die großen deutschen Musiksendungen wie Carmen Nebel oder eben auch dein Musikantenstadl, die angeblich vor dem Aus stehen. Hat dir das schlaflose Nächte bereitet?
Ich bin 53 Jahre alt und natürlich habe ich Sorgen. Und natürlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass ich privat so lebe, wie man mich aus dem Fernsehen kennt. Aber was die schreibende Zunft angeht, bin ich bereits zu lange dabei, um mir durch negative Artikel schlaflose Nächte bereiten zu lassen. Das sind ja zum Teil keine Fachleute, sondern Menschen, die Schlagzeilen suchen, um Umsatzzahlen zu generieren. Wenn beliebte Sendungen wie die von Carmen, Florian oder mir negativ in die Schlagzeilen kommen, dann schauen die Leute nunmal hin. Das muss man abwiegen.

Carmen, Florian und du: Trotz unterschiedlicher TV-Sender, scheint ihr auf einer Wellenlänge zu liegen. Denn es kommt nicht selten vor, dass du in der ARD als „Stadl“-Moderator in Erscheinung trittst und eine Woche später im ZDF bei Carmen Nebel deinen neuen Song präsentierst…
Ich bin sehr froh darüber und unglaublich dankbar dafür, dass sie mich nicht als Konkurrenten sehen. Wenn es anders sein würde, dann wäre das sehr schade für mich, weil ich wirklich gerne singe. Würde man mich vor die Wahl stellen, zu singen oder zu moderieren, würde ich das Moderieren sofort einstellen. Es wäre schrecklich für mich, wenn ich mich selbst anmoderieren müsste, um meine eigenen Lieder vorzustellen.

Lass uns über die Zukunft des Stadls sprechen. Die Indien-Produktion wurde ja abgesagt…
Na, Gott sei Dank!

Gott sei Dank“, weil die schlimmen Dinge – Stichwort: Vergewaltigungsserien in Indien – erst später ans Tageslicht kamen?
Auch, aber das war nicht der ausschlaggebende Punkt. Man darf ja auch mal Fehler zugeben. Unsere drei Redaktionen, also Deutschland, Österreich und Schweiz, können ganz gut miteinander und saßen im Rahmen des Innsbruck-Stadls zusammen. Dort wurde diese Idee geboren, von der auch die „Hyänen“ von der schreibenden Zunft Wind bekamen – in einer Phase, in der noch nie über Geld oder Logistik gesprochen wurde. Im Anschluss wurde diese Idee weiterverfolgt, bis sich schließlich herausstelte, dass es nicht zu packen ist. Später kamen auch noch die anderen schrecklichen Details aus Indien hinzu. Ausschlaggebend war jedoch, dass die Idee einfach zu früh an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Nichtsdestotrotz waren die Auslands-Stadl immer eine willkommene Abwechslung. Darf man sich Hoffnungen machen, dass diese Tradition am Leben gehalten wird?
Natürlich, aber man muss das relativ sehen. Für einen Hamburger ist ein Stadl in Klagenfurt auch schon mit einer weiten Reise verbunden – und umgekehrt genauso. Zudem bin ich mir nicht sicher, ob der typische Musikantenstadl-Zuschauer wirklich etwas davon hat, dass wir aus einem fernen Land senden. Dem Publikum ist wichtig, dass eine Blaskapelle durchmarschiert oder dass Hansi Hinterseer die Seele Menschen mit seinen Liedern streichelt. Karl Moik hat den Stadl zu dem gemacht, was er heute ist – auch durch die Auslands-Sendungen, die Aufsehen erregt haben. Ob das heute zwingend notwendig ist, weiß ich nicht. Natürlich arbeiten wir immer an neuen Ideen, aber ich werde meine Zunge hüten und nichts verraten, was nicht Hieb- und Stichfest ist.

(fl)

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